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Galerie: Bilder Gem. Grainet



 Gemeinde Grainet:
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Fürholz                  Fürholz Ortsmitte, Gemeinde Grainet

 
Der älteste Ort der Gemeinde Grainet  ist jedoch Fürholz, der bereits Anfang des 13. Jhd. erwähnt wurde. Fürholz - letzte Siedlung "vor dem Holz" den die Säumer (Name kommt von "Sam"=Pferdetraglast) passieren mussten, entwickelte sich sehr schnell.

In der Blütezeit - 14. bis 16. Jhd. - zogen wöchentlich bis zu 1200 Pferde mit 3 Zentner Salz beladen, über Fürholz nach Böhmen, um von dort vor allem Getreide, Malz und Kornbranntwein zurück zu befördern. Dieser bedeutende Fernhandelsweg - Goldener Steig- ging von Passau über Waldkirchen, Fürholz, Grainet, Leopoldsreut, Wallern bis Prachatitz. Mit dem Ende des Goldenen Steiges (1706) schwand die Bedeutung von Fürholz.

750 Jahre Säumerdorf  Fürholz


Fürholz verdankt sein Entstehen  dem „Goldenen Steig“, dem bedeutendsten mittelalterlichen Saumweg Süddeutschlands. Dieser ‚Weg führte von Passau über Waldkirchen „durch den Wald“ nach Wallern und Prachatitz in Böhmen und diente zusammen mit seinen Nebenwegen vor allem dem Salzhandel. Dort, wo der Saumpfad aus dem altbesiedelten Gebiet des „Passauer Abteilandes“ in den großen Grenzwald hineinführte, entstand bereits im hohen Mittelalter als Rastort für die Säumer eine Straßensiedlung vor dem Wald, dem „Holz“: Fürholz.

Auf dem Ilzstädter Landtag des Jahres 1256 erhielten die Leute „de Vurholtz“ vom Landesherren, dem Passauer Fürstbischof Otto von Lonsdorf, zusammen mit denen von Waldkirchen, Schiefweg und Böhmzwiesel, sowie den Böhmen das ausschließliche Recht bestätigt, auf dem Weg von Passau nach Prachatitz Saumhandel zu treiben. Zwar wird Fürholz erst mit diesem Eintag im Lonsdorfer Kodex unmittelbar genannt, doch wissen wir, dass schon vor 1246 Alram von Hals bei Passau und nach ihm Heinrich von Reut Rechte hier ausübten, die 1258 an das Passauer Hochstift fielen. Auch später teilten sich den Grundbesitz des Dorfes mehrere Herren, die Watzmannsdorfer, Buchberger, Nußdorfer und andere , dazu die Passauer Fürstbischöfe selbst, die im 16. jahrhundert auch die übrigen Lehen in Fürholz zurückerwerben konnten. Dem Passauer Nonnenkloster Niedernburg aber gehörte seit alter Zeit die einträgliche Böhmenmaut in Fürholz, um deren Verpachtung und Verpfändung schon im Jahre 1324 gestritten wurde.

Die alten Fürholzer lebten vor allem von Saumfahrt, Saumhandel und Säumerrast, wenngleich uns erst um 1400 im ältesten Passauer Mautregister ein Säumerhändler aus Fürholz namentlich genannt wird: Hans Meichsner, ein buchbergerischer Untertan, zog im Dezember 1400 mit sechs Zentnern Federn über die Passauer Innbrücke, wofür er 36 Pfennig Zoll zahlen musste. Als er im Oktober 1402 mit 8 ½ Säumen Lorbeeren „durch den Wald“ trieb, brauchte er keinen Zoll zahlen, seines adligen Herrn wegen, wie es im Mautregister heißt. Die meisten Fürholzer  waren wohl Salzsäumer, und die werden im Passauer Zollregister des Fürstbischofs nicht genannt.
Seit dem späten Mittelalter war Fürholz ein Kreuzungsort wichtiger Wege. Neben der „Salzstraß“ nach Prachatitz führte von hier aus ein Weg über Rehberg nach Winklbrunn zur Winterberger Straße. Ein anderer, der „Haidweg“, als Fahrstraße über Vorderfreundorf und „die böhmische Heide“ nach Schönau und Wallern, Oberplan und Krummau in Böhmen. Ein Wartturm auf dem Tussetberg hat diesen alten Weg durchs Tal der Kalten Moldau gedeckt.

Fürholz war zu jener Zeit der größte Säumerort im Hochstift Passau, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts rund 40 Hausgesessene hatte. Gerade damals erlebte der Salzhandel auf dem Goldenen Steig seine größte  Blütezeit: Durch  Fürholz zogen wöchentlich bis zu 1200 Saumrösser, jedes mit drei Zentnern beladen.
Die Haupthandelsgüter nach Böhmen waren Salz und Südwaren, während Böhmen als „Gegenfassung“ vor allem Getreide lieferte. Ein Verzeichnis aus dem Jahr 1538 zählt 15 Säumer in Fürholz auf: ihre Namen sollen hier genannt sein: Steffan Heidl, Steffan Hirsch, Wollf Lang, Georg Leondl. Mertl und Micheal Linßhelm, Leondl Mandl, Leondl Meindl, Matheus Pranpeckh, Wolfgang Reischl, Anndre und Siamunt Ritter, Steffan Schober, Georg und Matheus Sixl. Die Säumer gehörten der Waldkirchner Säumerbruderschaft an, die 1526 durch ihre Abgeordneten, darunter Hans Reischl und Christoph Bäck aus Fürholz, ein ewiges Allerseelen-Benefizium stiftete.

Fürholz, Gemeinde Grainet


Neben zwei Schmieden und einer Badstube gab es damals nicht weniger als 14 Schankwirte in Fürholz, bei denen auch die fremden Säumer einkehren und Herberge fanden.
Aber nicht  von der „Saumfahrt“ nach Böhmen lebte der Ort, lebten die Säumer, die Wirte und die Schmiede, auch Viehhaltung und Waldweidewirtschaft betreiben die Fürholzer, die in der ältesten Zeit ihr Vieh weit in die Wälder rund um den Haidelberg und bis an die böhmische Grenze trieben und entlang des Goldenen Steiges und es Haidweges zahlreiche  „Raumreuter“ anlegten. Als dann in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts das Glashüttengut Hobelsberg und bald darauf die Dörfer Vorderfreundorf und Grainet eingebaut wurden, da gerieten die Fürholzer mit ihren neuen Nachbarn wegen „Behültzung und Plumbsuch“, wegen Holz- und Weidenutzung, in Streit. Ihr größter Zwist, der mit dem Hobelsberger Hüttenmeister Balthasar Glaser, dauerte mehrere Jahre und konnte erst 1553 auf Drängen der Grundherrschaft durch einen Vergleich beigelegt werden. Doch nicht nur zum Hausbau, zur Feuerung, zur Weide nützten die Fürholzer die nahen Wälder, auch zum Erwerb: „Wann sy was auff den Khauff arbaiten wurden wellen, alß Schüssl, Khaar und Taller, Truen, Nuesch und Trög oder Schinndl aushagekhen“, sollten sie, wie 1553 bestimmt wurde, dem Wolfsteiner Pflegerichter Forstsgeld zahlen.

Jahrhunderte lang war Fürholz der letzte Ort vor dem weiten Grenzwald, und Haus an Haus reihte sich beiderseits der Saumstraße. Überschaut man heute von der „Hochstraße“ aus das weite Tal von Fürholz, so gewahrt man deutlich die Grenzen der mittelalterlichen Besiedlung: Die Fürholzer Ortsgemarkung umschließt noch die alten unregelmäßigen Blockfluren, während Grainet, Rehberg und die beiden Seilberg ebenso wie das jenseits des Oberholzes gelegene Vorderfreundorf, die allesamt erst seit Mitte des 15. Jahrhundert entstanden sind, schon Steifenfluren (Waldhufen) besitzen. Eng schließen sich die Häuser in diesen jüngeren Bauerndörfern zusammen, jedes Gut sitzt auf seinem Flurstreifen, der vielfach noch von Steinmauern eingesäumt ist, die von harter Rodungsarbeit künden. Die Grundstücke waren nur schmal, zur Ackernahrung nicht ausreichend, weshalb später in weitem Umkreis zusätzliche Gründe gerodet und gewannartig aufgeteilt werden  mussten. Auch Fürholz hat solche Nachrodungen erlebt, die nicht nur seine Ackerfläche, sondern auch die Häuserzahl vergrößerten.

Zu Anfang des 17. Jahrhunderts, als der Saumhandel schon rückläufig war, gab es in Fürholz 38 Hausgesessene; darunter werden zwei Bäcker, zwei Schuster, zwei Schmiede, ein Leinweber, ein Bader, dann der Müller Hans Hobelsberger sowie der Tafernwirt Augustin Wolf genannt. Es waren aber damals insgesamt 7 Häuser berechtigt, Wein auszuschenken, doch heißt es in den Bericht des Wolfsteiner Pflegers Johann von Hollandt 1624: „Aber deren khainer hat solches zu nuezen im Vermögen, die Samstrassen nach Bohemb sein zimberlichermassen wider etliche Jahre vergangene Zeit geschwecht, also der Wein wider das Pier gar khainen Abgang ertriege....“. Diese Schwächung hatte  der Dreißigjährige Krieg bewirkt, an dessen Anfang, während des böhmischen Aufstandes, Fürholz als Straßenort unter Truppendurchmärschen und Einquartierungen arg zu leiden hatte.1619 musste der Fürstbischof befehlen, zu Fürholz einen Galgen aufzustellen, zur Abschreckung, weil die befreundeten Truppen manchmal übler hausten als anderswo die Feinde. Doch auch die Feinde kamen: Im Sommer 1620 wurden Fürholz und Vorderfreundorf von böhmischen Reitern niedergebrannt, „Darüber ein großes und starkes Geschrei und Fliehen von denen aus der Abtei worden“. Fürholz war damals mehrere Wochen Standort der kaiserlichen Truppenverstärkungen für Südböhmen, als Verbindung nach Krummau und Budweis wurde der alte Haidweg neu ausgebaut und im Gschwendetwald bei Vorderfreundorf zur Sicherung dieser Straße die große Schanze aufgeworfen (die heute zu Unrecht Schwedenschanze heißt).
Pest- und Fleckfieberepidemien und furchtbare Hungersnöte kamen im Gefolge des Krieges. Doch überlebte das Säumerdorf Fürholz als einer der größten Orte des Hochstifts Passau, an Häuserzahl übertroffen nur von Märkten Hauzenberg, Obernzell, Perlesreut und Waldkirchen.
Selbst der Markt Freyung hatte noch lange Zeit weniger Häuser als Fürholz.
In friedlichen Jahren kamen die Fürholzer Säumer im Passauer Abteiland und im Böhmischen weit herum. Sie trieben einen schwunghaften Handel mit Salz und allerlei „Victualien“. Manche allerdings hatten auch große Schulden bei den Prachatitzer Kaufherrn, von denen sie Getreide, Malz, Branntwein und Käse bezogen, ohne dafür immer genügend Salz aus Passau liefern zu können. Mehrere Fürholzer ließen sich auch in Wallern nieder, dem größten Säumermarkt am Goldenen Steig. Durch den ausgedehnten Handel der Fürholzer fühlten sich besonders die Freyunger stark geschädigt, weshalb es 1691 zu einem erbittert geführten Streit kam. Die stolzen Fürholzer meinten, ihr Ort sei ohnehin eher ein Markt als ein Dorf, und sie hätten seit je und je auch Hopfen, Ochsen, Wolle und Federn nach Salzburg, sowie mit Leinwand und Fellen nach Passau gehandelt. Der Salzhandel nach Böhmen schlief damals schon mehr und mehr ein, erschwert durch die hohen Zölle, bis ihn im Verlauf des Spanischen Erbfolgekrieges 1706 ein kaiserliches Mandat ganz unterband. Bald war der Goldene Steig „ziemlich verderbt und kaum zu Fuß sicher zu gehen, viel weniger zu reiten, zu reisen oder zu säumen“. Doch blühte fortan der Schmuggel über die Grenze, vor allem mit Branntwein und Vieh. Nach dem Wolfsteiner Urbar von 1788 zählte Fürholz 43 Anwesen, und zwar 5 Höfe 
(Sixlhof, Bäckerhof, Grüblergut, Rabengut, Fürholzermühle mit Mühlengerechtigkeit), 16 Lehen (Schneidersepplhaus, Rohrwieselgut, Kroppelgut, Schmiedbauerngut, Sterjacklgut, Klimmerlinggut, Puffergut, Taferngut mit Wirts- und Bäckergerechtigkeit, Brunnengütl, Kollmerhieslgut, Zweijungferngütl, Plobhaus, Inhob als Zubau für Fürholzmühle, Kainzenbauerngut, Blabengut, Schabergut), 2 Drittelgüter (Raidlgut, Hasengütl) 13 Großhäusl (Rasperhäusl, Althammerhäusl, Meztgergütl, Pochergütl, Schneiderwenzelhaus, Schißlingut, Badergütl, Weingütl, Schwarzgütl,Traugütl, Bindergütl, Weberpausengütl, Kaizengütl), dann ein Kleinhäusl (Schusterhaus) und schließlich das gemeinsame Hüterhaus.

Fürholz, Gemeinde Grainet


Mit dem Ende des Salzhandels nach Böhmen war auch die große Zeit des Ortes vorbei. Die Fürholzer mussten sich jetzt um ihre Landwirtschaft und ihren übrigen Gewerben, der Leinweberei oder anderem Handwerk, der Arbeit im Wald oder im Handel im Abteiland und nach Passau zuwenden. Im Jahre 1750 wurde das Dorf, das bisher nach Waldkirchen eingepfarrt war, der neugegründeten Pfarrei Grainet zugewiesen. Im Sommer 1827 brannten 11 Häuser nieder.
Und wie ein Nachruf klingt, was Joseph Fisch 1857 über Fürholz schreibt:
„Man weiß sich noch vieles zu erzählen von den großen Vorrechten, welche die Fürholzer besessen haben sollen, so dass die Worte: Ich bin von Fürholz, einige  Ähnlichkeit hatten mit jenen anderen des Alterthums: Civis Romanus sum. Einige meinen sogar, Fürholz sei früher eine Stadt gewesen. Zuverlässig war es in den Zeiten des Saumhandels ein sehr gewerbesamer und, wenn nebenbei auch häuslich war, wohlhabender Ort.

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"Zur Hirschbrunft im Bayrisch-Böhmischen Grenzgebiet" TP 4.30 Uhr Treffpunkt wird bei Anmeldung bekannt gegeben. Dauer etwa 4-6 Std. Wanderführer Volker Hartwig. Anmeldung bis zum Vortag bis 16.00 Uhr bei Gemeinde Grainet. Tel. 08585/96000 oder direkt bei Volker Hartwig Tel. 0151/17796854. . Fernglas u. Fotoapparat nicht vergessen!



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Erntedankfest in Grainet

mit dem Jahrestag der Vereine. Pfarrkirche Grainet. 9.45 Uhr Aufstellung der Vereine beim GH Paster. 10 Uhr Festgottesdienst in der Pfarrkirche.


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