Kultur im Dreiländereck
Im
Dreiländereck weilen heißt wandeln auf alten Handelswegen wie dem
"Goldenen Steig". Die alten Säumerdörfer entlang der
einst wichtigsten Handelsverbindungen sind heute ein romantisches
Erlebnis.
Informationstafeln an den fächerartig von Donau und Inn ausgehenden Routen erklären dem Besucher alles Wesentliche und lassen ihn eintauchen in die Geschichte einer ganz besonderen Landschaft. Nicht nur Salz, auch Glas ist mit dem Schicksal des Gebietes eng verbunden. Der "Glashüttenweg" bei Haidmühle zeigt seinen Besuchern, was die Menschen vergangener Zeit bewegte, welche Triebfeder die Glaserzeugung und der Handel für sie war.
Die Zugehörigkeit des Bayerwald-Teiles zum mächtigen Bistum Passau schuf hier einen Menschenschlag, der Lebenskraft aus dem Glauben schöpfte. Zeugen der Volksfrömmigkeit und zugleich oft kulturelle Kleinode sind Bildstöcke, Marterl und Kapellen. Folgen Sie dem "Kapellenweg", begleitet er Sie zu einigen dieser alten, kraftspendenden Bauwerke.
Ein Denkmal anderer Art setzte Adalbert Stifter dem Land um den Dreisesselberg und den Plöckenstein: Geboren in Horni Plana (Stifter-Denkmal hoch über dem Ort, Stifter-Geburtshaus mit Museum), verbrachte er viel Zeit auf dem Gut eines Freundes in Lackenhäuser. Dort entstanden auch einige seiner Erzählungen, sein unvergängliches Memorial ist noch heute in vieler Munde: "Waldwoge steht hinter Waldwoge, bis eine die letzte ist und den Himmel schneidet."
Andreas
Hartauer, 1839 auf der Stachauer Hütte (heute Stachy) geboren, wurde
auch Glasmacher, war zwei Jahre in der berühmten Eleonorenhainhütte
tätig, ehe es ihn später nach Nordböhmen verschlug. Seinem Heimweh
nach dem Böhmerwald verdanken wir eine längst zum Volksgut
gewordene Weise: "Tief drin im Böhmerwald ..." In Lenora
(Eleonorenhain) erinnert ein Gedenkstein aus grünem Bayerwaldgranit
an ihn. Und nicht weit davon entfernt, in Rehberg (Srni) dichtete
Karel Klostermann ...
Auch im österreichischen Grenzland war die Glasmacherei ein Haupterwerbszweig. Wahre Kunstwerke entstanden in den Hütten von Oberschwarzenberg, sie waren bis nach Venedig hinunter außerordentlich gefragt. Und noch etwas hat hier Tradition: Das Weben der "Fleckerlteppiche". Großstadtmüden Sommergästen gefiel schon immer die heimelige Art der bunten, rustikalen Bodenbeläge.
Ein ganz besonderes "Denkmal" im Dreiländereck stellt eine technische Meisterleistung ihrer Zeit dar: Der Schwarzenbergische Schwemmkanal. Er verbindet das Flußsystem der Donau mit dem der Moldau und der Elbe und damit der Nordsee. Sein Beginn liegt unmittelbar an der im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet gelegenen Klause westlich des Dreisessels. Er durchzieht den Böhmerwald, überschreitet bei Glöckelberg die Grenze nach Österreich und erreicht schließlich einen Zufluß der Mühl, die dem österreichischen Viertel den Namen gab und in die Donau mündet.
Einst im Sperrgebiet der CSFR gelegen, führen heute wieder beschilderte Wanderwege rund um den Plöckenstein an ihm entlang. Hauptzweck des Schwemmkanals war, die Wälder des Dreisesselmassivs zu erschließen und das Triften des Holzes auf der Moldau nach Prag und weiter hinauf in den Norden und auf der Donau bis Wien zu ermöglichen. 1961 wurde das letzte Holz getriftet.
Bis
zur Aussiedelung nach dem 2. Weltkrieg gelebtes Brauchtum der
Böhmerwäldler brachten die Flüchtlinge mit über die Grenze. Wo
sie im Waldland eine neue Heimat fanden, blieb die Erinnerung an das
Leben im Böhmerwald erhalten. Heute freilich, nach der politischen
Wende, fährt man z.B. im Juni wieder hinüber nach Krummau, um am
berühmten "Fest der fünfblättrigen Rose" teilzunehmen,
das an die damals mächtigen und einflußreichen Rosenberger
erinnert.
Was den Menschen einst wichtig war, findet man allerorten auch heute noch. Überall Tradition, Brauchtum, das aus bäuerlichem Leben erwuchs. Da gibt es ein Waldmuseum, das vom Holz, dem Haupterwerbszweig früherer Generationen erzählt, ein Brauereikultur-Museum, denn auch das Bier gehört hier zum Leben. Oder schauen Sie einmal nach Hinterschmiding: Dort arbeiten heute die Rathaus-Bediensteten in einer denkmalgeschützten, über 600 Jahre alten Schmiede, in der damals die Rosse der Salzsäumer beschlagen wurden ...









