Historisches über die "Wanderglashütten"
Schon zu Beginn des 15. Jh. hat im
bayerisch-böhmischen Grenzgebirge die Kunst des Glasmachens Fuß gefasst,
zumal hier die nötigen Grundstoffe wie Quarz und Holz reichlich
vorhanden waren. Mit Erlaubnis der Grundherrschaft haben "Glasmacher"
einfache Glasproduktionsstätten als "Wanderhütten" betrieben, deren
Standorte man verlegte, wenn die Ressourcen vor Ort aufgebracht waren.
Sie benötigten nämlich riesige Mengen Feuerholz und Holz für Pottasche.Neigten sich die Holzvorräte im Umkreis einer solchen Wanderglashütte dem Ende zu, so "wanderte" sie dem Walde nach. Dadurch entstanden in dem noch unberührten Waldmeer, dem die Menschen die Namen "Nordwald", "Böhmerwald" und "Bayerischer Wald" gegeben hatten, Rodungsinseln. Diese dienten als Neuland für die Gründung von Siedlungen. So eine Glashütte bot Arbeit für:
Scheiterhacker, Aschenbrenner, Quarzschürfer, Pochermänner, Flusssieder, Schürer, Schmelzer und Glasmacher.
In
der 2. Hälfte des 18. Jh. mussten die Hütten infolge Holzknappheit und Absatzschwierigkeiten
schließen. Erst nach 1800, als die Nachfrage nach
Luxusglas gewaltig anstieg, einige Jahrzehnte geregelter Forstwirtschaft
für das Nachwachsen des "Rohstoffes Holz" gesorgt hatten und die
waldvernichtende Pottaschengewinnung durch das neuartige Glasflussmittel
"Soda" unnötig geworden war, lebten einige Glashütten (z. B.
Schwarzenthal 1821 - 1859) nochmals auf.Die Hütten fertigten vor allem Rosenkranzperlen, die "Paternosterln" oder "Peterl". Immer mehr Hütten stellten später Edelglas, Hohlglas, Lüster und Dinge des täglichen Bedarfs her. Dem Werkstoff Glas und der Kreativität der Glasbläser waren kaum Grenzen gesetzt.
Aus Glasresten entstand eine ganz besondere Kunst: Das geschundene Glas. Reste, die aus sorgsamem und sparsamem Umgang mit der Masse Glas stammten, das "herausgeschundene" Glas, durften die Hüttenarbeiter für eigene Zwecke verwenden. Dabei entstand so manches Kunstwerk.
Die heute noch existierenden Hütten
fertigen vor allem edles Kristallglas, das z.T. im Mundblasverfahren zu
weißem und farbigem Hohlglas verarbeitet wird. In allen Hütten können
Besucher erleben, wie aus der glühenden Masse Kunstwerke entstehen.
Glasbläser, -schleifer, -gravierer, -kugler usw. demonstrieren ihr
Können gerne vor Publikum.








